Von Zoll zu Zoll

Soeben kommen wir vom vorzüglichen Znacht zurück ins Hotel „Park“ in Livno, Bosnien-Herzegowina. Wer auch immer hier nächtigt ist sofort versetzt in Zeiten, als das Land noch Jugoslawien hiess. Unsere Zimmer sind gross und sauber, was will man mehr...
Am frühen Morgen sind wir in Budva gestartet, dem Meer entlang durch mondäne Ortschaften gefahren. Bald schon führt uns eine Strasse in die Berge, über einen Pass an die Grenze Montenegro/Serbien. Die Abfertigung geht schnell vom einen Zollhaus zum Anderen. Wir wundern uns, dass wir nach Serbien kommen, fahren aber weiter. Erwartet haben wir Bosnien-Herzegowina. So folgen wir der Gebirgsstrasse weiter bis wir nach ca. 3 km wieder an einen Zoll kommen. Jetzt geht unser Plan auf, die Grenze nach Bosnien-Herzegowina kommt. Der Zöllner nimmt es sehr genau und möchte sogar unsere grünen Versicherungskarten. Geduldig warten wir und nach der genauen Begutachtung wünscht er uns eine gute Reise. Nun geht es weiter durch das Gebirge. Wer sich noch an die Winnetou-Filme erinnert hat schon ein Bild der Landschaft. Es hätte mich nicht gewundert, wenn auf einem Felsen Old Shatterhand gestanden hätte:)
Die Landschaft verändert sich während des Tages einige Male. Von sehr gebirgig und kurvig bis Fahrten über Hochebenen, durch kleinen Dörfer, einem Fluss entlang und auch langweilige Strecken sind dabei. Aber bei 340 km gibt es das halt auch.
Wir freuen uns auf den Zwischenhalt in Mostar. Ich denke, die Stadt ist noch vielen in Erinnerung aus der Zeit des Bosnienkrieges. Es stehen jetzt noch Häuser da, die im Krieg beschädigt wurden. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Brücke „Stari most“, die über die Neretva führt. 1993 im Krieg wurde der Übergang aus dem Mittelalter zerstört und von 1996-2004 wieder aufgebaut. Heute ist es ein vielbesuchter Ort und auch wir machen uns auf zur Brücke. Der Weg führt durch die engen Gassen der Altstadt. Viele kleine Souvenirläden preisen ihre Ware an und vieles ist orientalisch angehaucht. In der Stadt gibt es einige Kirchen und Moscheen. Zwei Religionen, eine Stadt.
Das Überqueren der Brücke ist gar nicht so einfach, denn die Steine sind sehr rutschig. Damit man nicht abrutscht liegen erhöhte Steine quer, sodass man sich fast wie über eine Leiter vorwärts bewegen kann. So hätten es übrigens auch die Pferde und Esel früher geschafft, mit ihren Lasten über die Brücke zu kommen.
Man hat die Steine der „Stari most“ nach der Zerstörung zu 30% aus dem Wasser geholt und sie für den Wiederaufbau verbaut. Der Rest der Steine wurde naturgetreu wieder hergestellt und die Brücke wurde 2004 mit einem Fest wieder eröffnet. Wir lauschen einer Reiseführerin und erfahren, dass die Brücke ursprünglich von einem Architekten gebaut wurde, der für das Verbinden der einzelnen Steine einen „Klebestoff“ hergestellt hat. Er bestand aus unbehandelter Wolle, Eiern und Honig. Die Brücke ist drei Mal eingestürzt und es wurden 30000 Eier verbraucht. Wie die Geschichte dann weitergeht hören wir nicht mehr, wir spazieren weiter. Aber auf jeden Fall wurde die gewölbte Brücke vor 450
Jahren fertig, hat vielen Menschen den Übergang ermöglicht und bis zum Krieg das Hinterland von
Bosnien mit der Adria verbunden. So, fertig mit Geschichte.
Unsere Reise muss weiter gehen, sonst kommen wir nie in Livno an. Um 16.30 Uhr haben wirs dann geschafft. Eine tolle Garage wartet auf uns. Die alte Disco des Hotels öffnet für uns die Pforten. Da muss wohl vor Jahren noch mächtig was los gewesen sein.
Livno ist eine unbekannte Stadt, die einst gut besiedelt war. Heute leben noch wenige Einwohner da. Die Receptionistin berichtet, dass viele gut ausgebildete Bosnier in die verschiedensten EU-Länder auswandern und die Stadt darunter leidet. Das merken wir, da es auch kaum Restaurants gibt. Aber wir finden eines. Es sieht ziemlich edel aus, weiss gedeckt, viele Gläser auf dem Tisch. Der Kellner, ein junger Mann der seine Arbeit top macht bleibt der Gegend hoffentlich erhalten und wandert nicht
aus. Er spricht gut Englisch und Deutsch und erzählt, dass er einmal 20 Tage in Deutschland im Goethe-Institut zum Studieren war. So geniessen wir ein sehr feines Nachtessen und besprechen noch die Weiterfahrt.
Leider sieht das Wetter für den Donnerstag ziemlich schitter aus. So entschliessen wir uns, morgen eine lange Strecke hinter uns zu bringen, damit wir noch bis Ljubljana kommen. Gerne erinnere ich mich an den Besuch der tollen Stadt im Sommer vor ein paar Jahren. So freue ich mich auf den Kurzaufenthalt.
Auf Fotos müssen die Leserinnen und Leser im Moment noch etwas warten. das Internet ist z.T. etwas instabil oder wir haben keine Zeit, die Bilder hochzuladen. Wen es aber interessiert, auf meinem Status sind einige Eindrücke zu sehen.






































































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