Mitten durch Albanien, Fortsetzung

ENDLICH! Befestigte Strasse in Sicht, ein Steinbrocken fällt mir vom Herzen und ich glaube Mischa und Bruno auch. Horst und Charly sind überglücklich und würden gerne weiter offroad fahren. Unsere Motorräder sehen entsprechend der Verhältnisse aus und wir auch... Es ist Nachmittag und das GPS gibt an, dass wir noch 1,5 Std. Fahrt vor uns haben. Die Strasse ist sehr kurvig, entsprechend langsam und vorsichtig wird gefahren. Die Landschaft erstreckt sich wunderbar vor uns, wir gelangen immer weiter nach Norden Richtung Peshkopia.













Wir begegnen Bauern mit Esel, die beladen sind mit grossen Maisfudern, Kinder winken uns, wollen mit den Händen abklatschen und immer wieder überholen wir kleine Busse, die Passagiere in die abgelegensten Dörfer transportieren. Das Land ist hier noch nicht wirklich im 20. Jahrhundert angekommen. Die Kleidung der Leute ist sehr urchig, die Frauen tragen Pumphosen, einen Jupe darüber, eine Hemdbluse, ein Strickgilet und ein weisses Kopftuch. Immer wieder sehen wir von Weitem grosse Moscheen mitten im Nirgendwo. Wer auch immer dorthin geht hat einen weiten Weg. Hoch oben auf einem Hügel fällt eine neu erbaute Moschee auf. Und siehe da, das Haus daneben ist als „Kafe, Bar“ angeschrieben. Wir können uns draussen hinsetzen und freuen uns auf eine Erfrischung. Hier kostet die Konsumation umgerechnet 5 Euro für uns alle. Unglaublich für unsere Verhältnisse. Wir werden schon immer etwas schief angeschaut, wenn wir irgendwo anhalten. Wir sind auch schon seit wir die Küstenregion verlassen haben kaum noch Touristen begegnet. Manchmal kommt so ein komisches Gefühl auf, wenn ich als Frau in die von Männern besetzten Kaffees komme. Aber ich habe ja vier Bodyguards.
Die Fahrt bis ins gebuchte Guesthaus „Gjana“ dauert nochmals sehr lang und die Nerven sind langsam etwas angespannt.
Aber das Warten hat sich gelohnt. Ein wunderbar renoviertes längliches Steinhaus mit einem grossen Umschwung erwartet uns. Eine junge Frau namens Gjana begrüsst uns in bestem Englisch und führt uns ins Haus. Die Schuhe (saudreckig) müssen draussen bleiben. Die gesamte Familie ist da. Der Vater, ein kleiner Mann berichtet uns mit Zeichensprache, dass er das Haus mit seinen eigenen Händen so hergerichtet hat. Die Familie ist vor etwa 20 Jahren nach Tirana gezogen, der Vater hat dort auf dem Bau gearbeitet, die Kinder sind dort zur Schule. 2016 sind die Eltern zurück in die Berge und haben mit dem Guesthaus renovieren begonnen. Es ist ihnen sehr gut gelungen und im Gästebuch lesen wir, dass schon Gäste aus allen Herrenländern hier genächtigt haben.
Die Zimmer sind wunderschön hergerichtet und sehr grosszügig.
Das Nachtessen nehmen wir natürlich im Haus ein, denn weit und breit gibt es nichts als Natur. Nach dem ersten Bier gibt es ein Zweites, dann einen Versucher des Nationalgetränkes “Raki“ (ähnlich wie Grappa) und dann endlich werden wir in die Stube geführt. Draussen werden wir mit einheimischer Musik unterhalten. Gleich unter dem Grundstück wird eine Hochzeit (dauert anscheinend 5 Tage in Albanien) gefeiert. Die Musik kommt mir natürlich sehr bekannt vor, tönt sie doch nicht viel anders als an einer griechischen Hochzeit.
Uns nun zum Nachtessen. Wir werden königlich bekocht mir lauter Spezialitäten, die aber schon recht gewöhnungsbedürftig sind. Ich kann nicht alles essen, denn das Fleisch schein eine zähe Ziege zu sein, die kaum zu schneiden ist. Aber die „Pitas“ (grosser gefüllter Filoteig-Kuchen) sind vorzüglich. Der Hausherr gesellt sich zu uns. Bruno schenkt ihm ein Schweizer-Sackmesser und nun wirds ganz freundschaftlich. Die Strapazen der heutigen Fahrt sind fast vergessen und wir erleben einen unvergesslichen Abend im Haus der Familie.
Die Nacht ist sehr dunkel da draussen und nachts wird der Strom ausgeschaltet... Am Morgen gegen 6.00 Uhr erwachen wir nach einem Tiefschlaf und schauen durch die Bogenfenster in die Berge, die schon bald von der Sonne angestrahlt werden. So starten wir in einen neuen Tag.






























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